Dezember 2015

Schwäbisch-kölsches Patchwork

Homestory - Wie wohnt eigentlich ein erfolgreicher Immobilienentwickler von Wohnungen privat? immobilienmanager besuchte Reinhold Knodel, Vorstand und Alleinaktionär der Pandion AG.
Von Christof Hardebusch

Schon die Anfahrt zeugt von einem gewissen Sinn für Understatement: Eine Straße am Rand von Bensberg, an deren Ende dann das gesuchte Haus liegt – direkt am Wald- und Wiesenrand. Großräumig, schmuck, aber nicht protzend, der Moderne verpflichtet.

Dass Reinhold Knodel diesen eher abgelegenen Standort als Domizil für seine Familie und sich wählte, mag überraschen: Die Pandion AG, die er aufgebaut und zu einem der führenden Projektentwickler Deutschlands geformt hat, ist immerhin auf hochwertiges Wohnen in urbanen Umfeldern spezialisiert.

Knodel selbst wollte lieber eher ländlich wohnen. Geboren und aufgewachsen in Korntal bei Stuttgart und damit in einer grünen und bergigen Landschaft, vermisste er in Köln zu viel: die frische Luft, den Schnee, den weiten Blick.

All das hat er nun, und vom Westbalkon aus sieht er bei klarem Wetter sogar den Dom. Ruhig ist die Lage allerdings nur äußerlich. Innen und im Garten toben die Kinder im Alter von sieben und zehn Jahren. Und das ist noch das Geringste an Geräuschpegel: „Ich bin gern Gastgeber“, meint Knodel. Und wenn, dann gleich richtig: „Manchmal bewirten wir hier 20 oder gar 30 Gäste.“

Ein wesentlicher Grund sowohl für die große Zahl wie auch für die Freude am vollen Haus liegt in Knodels Familiengeschichte begründet. Aufgewachsen ist er als eines von neun Kindern, es war also immer Leben in der Bude. Und wenn nur ein paar der Geschwister mit ihren Ehepartnern und Kindern vorbeikommen, sitzen rasch zehn bis zwölf Leute am Tisch.

Das Haus trägt diesem großen Bedürfnis nach Gastlichkeit Rechnung. Das Grundstück hat Knodel vor nunmehr zehn Jahren erworben, das darauf befindliche Bestandsgebäude abgerissen und sich dann an die Planung gemacht. Von seiner Lebensgefährtin Silke Pabelick stammt das elegante Einrichtungskonzept. Sie ist Innenarchitektin und führt als Unternehmerin mit Partnerin Astrid Kölsche das zehn Mitarbeiter zählende Büro a.s.h. in Köln.

Knodel lernte sie über den Beruf kennen. „Pandion investiert überdurchschnittlich viel in den Innenausbau, insbesondere was die Gemeinschaftsflächen betrifft“, sagt Knodel. Das Studio a.s.h. bewegt sich ausschließlich im hochwertigen Bereich. Die ursprünglich rein geschäftliche Beziehung mündete dann in eine Partnerschaft und die „Zusammenlegung“ zweier Familien mit insgesamt drei Kindern.

Die Entwurfsdiskussion zum gemeinsamen Haus geriet „lebendig wie immer“. Was man sich gut vorstellen kann: Er ist bei allem Hang zur Qualität doch immer auch noch ein kaufmännisch geprägter Selfmademan aus Schwaben. Sie verbindet kölsche Unbeschwertheit mit einer Leidenschaft für Designideen. „Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt“, sagt sie. „Die Machbarkeit von Ideen muss man diskutieren“, ist seine Antwort darauf.

Das Resultat in Bensberg kann sich jedenfalls sehen lassen. Ein großzügiger, offener Essbereich, eine ebenso offene Bar, Rückzugsräume auf mehreren Etagen und viel Licht – das sind die wesentlichen Merkmale, die dem Besucher auf den ersten Blick auffallen. Weil der Entwurf auf diese Offenheit statt auf trennende Wände setzt, kann man hier viel im Kreis herumlaufen. Die Kinder machen regen Gebrauch davon, wenn sie nicht gerade mit Nachbarskindern im weitläufigen Grün herumtollen. Zu Silke Pabelicks Profession gehört auch die Gartengestaltung – ihre markante Handschrift ist hier eindeutig ablesbar.

Kommen nur ein oder zwei Gäste, lädt Knodel gern auch in seinen Weinkeller ein. Der Raum ist mit Originalsteinen eines alten Gewölbes ausgemauert. Hier lassen sich auch Fachgespräche gemütlich fortsetzen. Wenn Knodel dann ausschenkt und dabei mit ernster Miene behauptet, er sei kein Weinkenner, sollte man dem allerdings keinen Glauben schenken. Der Wein, den er kredenzt und erläutert, ist jedenfalls hervorragend.

Der Bericht über seine Kindheit lässt ahnen, warum er wurde, was er ist. Im pietistisch geprägten Elternhaus ging es gleichermaßen kultiviert und streng zu. Kein Fernseher, keine Zeitungen, keine Vereinsmitgliedschaften, dafür aber Hausmusik in Orchestergröße. „Wir lebten wie die Mormonen“, erinnert er sich.

Natürlich gab es auch viele schöne Seiten in dieser Kindheit. Eine war, dass die Eltern ihren Sprösslingen das Ski-Fahren beibrachten. Das betreibt Knodel heute noch leidenschaftlich – er besitzt sogar ein Haus in den Bergen. Damals gab ihm der Skisport als Kontrapunkt zu den streng limitierten Bewegungsräumen daheim vielleicht eine prägende Konstante mit auf den Weg: die Freude am schnellen Vorankommen und am kontrollierten Risiko: „Die Risikoscheu, die überall in der Gesellschaft spürbar ist, macht mich manchmal wahnsinnig“, meint er.

Im Job hätte er auf die eine oder andere Extremsituation möglicherweise allerdings gern verzichtet. Das wahrscheinlich aufregendste Projekt seiner Laufbahn war wohl das Kranhaus im Kölner Rheinauhafen. Der Entwurf des Architekten Hadi Teherani sah ein mehr als 60 Meter hohes und weit in Richtung Rhein ausragendes Gebäude vor. Anders als in den beiden benachbarten Kranhäusern sollten im Pandion-Projekt Wohnungen entstehen – ein anspruchsvolles Vorhaben, an dem sich zuvor auch andere versucht hatten, ohne jemals einen Stein auf den anderen zu bringen. Der Entwurf ist statisch und aus Sicht des Brandschutzes als äußerst schwierig zu bezeichnen.

Knodels Pandion suchte für die Realisierung einen Generalunternehmer, fand aber keinen, jedenfalls nicht zu akzeptablen Preisen. Bis heute vermutet Knodel als Hintergrund Preisabsprachen.

In der Konsequenz vergab die Pandion dann alle Leistungen selbst. Wegen seines Volumens hätte das Projekt das Zeug gehabt, dem Projektentwickler einen „sudden death“ zu bescheren. Tatsächlich aber geriet das „Pandion Vista“ zum Erfolg und zu einem Meilenstein in der Entwicklung des Unternehmens.

Knodel versichert, mit solchen Stress-Situationen gut umgehen zu können. „Wenn ich abends nach Hause komme, fallen diese Lasten von mir ab. Sie rauben mir auch nicht den Schlaf.“ Zeit für die Familie ist ihm wichtig, ebenso wie seiner Lebensgefährtin. Einfach ist das sicher nicht. Immerhin sind beide unternehmerisch tätig und können daher auf gegenseitiges Verständnis bauen.

Das Unternehmertum ist dem jungen Reinhold Knodel sozusagen in die Wiege gelegt worden. Dabei hatten sich die Eltern wohl eine ganz andere Laufbahn für ihren Sohn vorgestellt. Knodel ergreift eine Zimmermannslehre und damit den Jesus-Beruf. So verdient er, der nie Taschengeld erhalten hat, erstmals Bares und kauft ein Auto – für jeden jungen Menschen zumindest damals die Eintrittskarte in die persönliche Freiheit.

Allerdings stellt er fest, dass seine Einkünfte nicht seinen Bedürfnissen entsprechen. Also wird er Händler, kauft Autoradios und Autos und verkauft sie wieder. Aus pragmatischen Gründen absolviert er eine Ausbildung bei der Polizei. Aber der Drang zum Unternehmerischen ist stärker. In Nürtingen nimmt er, gegen den Willen seines Vaters, das Studium der Betriebswirtschaftslehre auf. Nebenbei arbeitet er als Handelsvertreter, verdient damit ausgezeichnet und tritt nach seinem Studium in ein Immobilienunternehmen namens Pandion ein, vormals eine Gesellschaft für Schiffsbeteiligungen. 

Der Inhaber, der selbst keine Erben hat, baut ihn und einen Kollegen zu Nachfolgern auf. Knodel wird Partner und schließlich alleiniger geschäftsführender Gesellschafter. Er übernimmt die Anteile des Partners und gründet das Unternehmen neu, diesmal in Bonn und als Projektentwickler für Immobilien. Das Studium in Nürtingen und insbesondere Professor Dr. Bernd Falk, der damals den Lehrstuhl für Immobilienökonomie ausfüllte, hatten ihn auf den Geschmack gebracht.

Heute möchte er sein Unternehmen, die „zweite Familie“, nicht mehr missen. „Ein lebender Organismus“, wie er meint, kein Projekt, das man nach vorn bringt und dann gegen viel Geld eintauscht.

Etwas anderes wird er allerdings revidieren. Die Entscheidung, weit außerhalb Kölns in Bensberg zu wohnen , hält er aus heutiger Sicht für eine „Schnapsidee“. Schon weil die Kinder Schulen im Kölner Westen besuchen und deshalb zweimal am Tag quer durch die Stadt reisen müssen. Das neue Haus der Familie wird in Köln-Lindenthal entstehen, die Lage wäre dann optimiert. Man darf vermuten, dass das nicht der einzige Grund für den Entschluss ist, neu zu bauen. Die Innenarchitektin Silke Pabelick und der Projektentwickler Reinhold Knodel werden bei Entwurf und Umsetzung ihre Leidenschaft für das Schaffen von Immobilien jedenfalls wieder einmal gemeinsam ausleben können.

Reinhold Knodel wurde 1962 als eines von neun Kindern im schwäbischen Korntal geboren. Er absolvierte eine Lehre als Zimmermann, eine Ausbildung zum Polizisten und dann ein BWL-Studium an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen-Geislingen. Seit 2002 führt er als Vorstand und Alleinaktionär die Pandion AG. Das in Köln ansässige Immobilienunternehmen beschäftigt mittlerweile an drei Standorten mehr als 90 Mitarbeiter und stemmt ein Projektvolumen von rund 980 Millionen Euro. Aktuelle Projekte laufen unter anderem in Köln, Düsseldorf, Berlin und München.

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